Ein Brief an die Welt (3)

Ein Brief an die Welt (3)

Eine der Ursachen warum unser Leben in immer gleichen Bahnen verläuft und dadurch nicht einfacher und angenehmer wird, ist unser Glaubens- und Wertesystem. Es hat sich in Tausenden von Jahren nicht verändert. Die Ursache für Probleme wird in der mangelhaften Anwendung des »Massstabs« gesehen und nicht im »Massstab« selbst. Was wenn wir unsere Richtschnur von Grund auf ungenau abgespannt haben? Eine solche Erkenntnis würde alles verändern. Alles.


Unser Gesundheitssystem verdient sein Geld mit Krankheit, die Banken mit Schulden und die Kirchen mit Sündern. Alle Religionen haben ein Konstrukt, ein Konzept der Erbsünde entwickelt und eingeführt. Es ist eine Erfindung des Menschen, dass es zuvor nicht gegeben hat. Dieses Konzept bindet die Menschen auf Gedeih und Verderb an die Institutionen und macht sie von deren edelmütigem Wohlwollen, ihrer grosszügigen Unterstützung und barmherzigen Gnade abhängig.

Hauptursachen für Krankheit und Tod sind zum einen medizinische Fehlbehandlungen und zum anderen die Pathologisierung der Gesellschaft. Ein Gesundheitssystem, welches sein Geld mit Krankheit verdient, wird niemals an Gesundheit interessiert sein.

Der US-Dollar und alle seine Derivate (wie der Euro) sind private Währungen. Denn 97 % der Geldmenge wird von privaten Banken durch Kreditvergabe geschöpft. Das technische Problem ist, dass das Geld für die Zinsen nicht mitgeschöpft wird. Bei der Rückzahlung verschwindet zwar das Geld für den Kredit, aber das Geld für die Zinsen muss nun jemandem anderes innerhalb des Systems weggenommen werden. Tatsächlich muss zur Begleichung der anfallenden Zinsen innerhalb des Systems jemand einen neuen Kredit aufnehmen.

Die Religionen haben sich auf Lösungen von Problemen spezialisiert, welche es ohne sie gar nicht gäbe. Alle Menschen wurden zu Sündern erklärt und bedürfen einer Erlösung. Die Probleme entstünden durch die Sünde, keinesfalls durch das Erlösungskonstrukt.

So wurden in allen Bereichen künstliche Bedürfnisse erzeugt, die es zuvor nicht gegeben hat. Hier wird auf unbeschreiblich perfide Art und Weise die Wahrheit mit der Lüge ummantelt und eine Problematik installiert und auch gleich die Lösung mitgeliefert. Dass die Lösung keine Lösung, sondern lediglich ein Dressurhalfter ist, wird dieser Tage immer offensichtlicher.

Alle Pflanzen wachsen nach dem Licht, niemand muss ihnen die Richtung weisen, dieses Streben ist Teil ihrer Bestimmung. Irgendwann sind Gärtner gekommen und haben den Pflanzen Stöcke umgebunden, angeblich um sie auf ihrem Weg zum Licht zu unterstützen. Dass sie trotzdem in die vermeintlich falsche Richtung wachsen, sei der grundlegenden Falschprogrammierung geschuldet. Niemand kommt auf die Idee, dass die Stöcke in die falsche Richtung weisen. Das ist, als ob wir gezwungen werden müssten, eine Frau zu begehren, welche ohnehin die Feuersbrunst unserer Lenden wie ein Tornado entfacht.

Auch unser Verständnis der Liebe wurde so konstruiert. Die Liebe ist ein romantisches Konstrukt, letztlich ein Bedingungskatalog. Wir hätten unsere Partner niemals angesprochen, hätten ihre optische Erscheinung, ihr bezauberndes Lächeln, ihr Auftreten und Verhalten nicht unsere Knöpfe gedrückt und uns getriggert. Allem im Leben wurde ein Preisschild umgehängt und die Liebe hat das teuerste und in keiner anderen Werbung wird derart unverfroren gelogen, wie wenn es um die Liebe geht. Das Leben ist ein einziger Balztanz, wir scheuen keine Mühen und lassen keine Peinlichkeit aus, um auf uns aufmerksam zu machen und uns bestmöglich zu verkaufen.

Kein anderer Begriff muss für so viel herhalten wie der Begriff der Liebe. Nichts hat so viele verschiedene Bedeutungen und kein anderer Begriff wird derart für die eigenen Zwecke missbraucht, interpretiert und mit Wunschdenken eingefärbt wie die Liebe. Die Liebe ist Vertrag, Währung, Schuldbrief, Urteil, Siegel, Begnadigung, Fluch und Segen in einem. Sie ist das unausgesprochene 119-Element im Periodensystem. Sie ist der Fahrstuhl in das Paradies – den Garten der Lust und die Hölle – Dantes Inferno.

Inzwischen haben wir alle eine eigene Definition der Liebe. Uns reicht es nicht mehr, einfach nur geliebt zu werden, wir wollen auf eine ganz bestimmte Art geliebt, angehimmelt und umschwärmt werden, ansonsten wird die Balz als ungenügend, der Bedingungskatalog als nicht erfüllt zurückgewiesen und die Liaison kommt gar nicht erst zustande oder wird aufgelöst.

Wir haben die Praline der Liebe mit zu vielen verschiedenen Füllungen vollgestopft und bis zur Ungeniessbarkeit mit derart viel Schokolade und Couverture überzogen, dass sich immer mehr Leute weigern, das Teil auch nur mit einem Stock anzufassen. Lecker geht anders.

Gott ist Liebe, aber auch diese Liebe muss man sich verdienen oder zumindest durch einen Ablassbrief erkaufen, andernfalls fährt man geradewegs in die Höhle oder ist dazu verdammt, auf ewig die Schulklasse auf dem irrsten Planeten des Universums zu wiederholen.

Wir denken viel und doch so wenig. Wir glauben viel und doch so wenig. Wir lieben viel und doch so wenig. Wir sind uns so nah und doch so fern. Wir leben in einem ideologisch-holographischen Tesserakt, der wie ein Perpetuum mobile, immerzu Scheinprobleme und Scheinlösungen produziert und anstatt sie aufzulösen, kopieren wir sie in unzähligen Variationen in einer Endlosschleife immer weiter.

Die Wahrheit wurde in Lüge verpackt, die Nadel wurde in einen gigantischen Heuhaufen gepackt und heute sind wir so weit, dass jenen die Suchen, jeder getrocknete Grashalm als Nadel anzudrehen versucht wird.

Um Diebe und Plünderer abzuschrecken, wurden früher Schatztruhen mit Dämonen und bissigen Hunden bemalt. Dort, wo der Schatz begraben wurde, war auch der Hund begraben.

Machen wir die Kiste auf. Sie erinnern sich an die Attribute auf dem Tisch zwischen uns. Betrachten wir nun eines davon besonders: die Omnipräsenz. Wenn der Stararchitekt des Multiversums überall ist, dann umgibt er alles, was ist. Einverstanden? Sonst wäre er nicht überall und somit nicht omnipräsent. Er ist überall im ganzen Universum. Ist er auch überall drin? In jedem Raum, in jedem Schrank, in jeder Sockenschublade? Gewiss, sonst wäre er nicht omnipräsent. Ist er auch in jeder Struktur, jeder Zelle, jeder chemischen Verbindung? Wenn nicht, ist er nicht überall und somit nicht omnipräsent. Warum differenzieren wir hier so kasuistisch? Weil wenn Gott wirklich omnipräsent ist, das Grundkonzept aller Religionen in sich zusammenbricht: das Konzept der Erbsünde. Erkennen Sie die Tragweite einer solchen Erkenntnis? Sie verändert alles.

Wenn der Optimus Prime alles ausfüllt von der größten Struktur im Universum, die Große Quasar-Gruppe, sie ist rund vier Milliarden Lichtjahre lang, bis zu den Quarks, den kleinsten Bausteinen des Lebens, dann könnten wir sagen, dass es letztlich nur den Architekten gibt. Alles wäre demnach von Quarks bis Quasar, nur eine andere verspielte Erscheinungsform des ewig unbeschreiblich Seienden. Selbst der Teufel und das Böse wären bis in den letzten und dunkelsten Winkel von der Omnipräsenz des Höchsten durchdrungen.

Welches Konzept sind wir bereit herzugeben? Das der Omnipräsenz oder jenes von Gut und Böse, der Erbsünde, des Karmas und der Erlösung?

Wir stehen an einer Zeitenwende. Wir stehen an einer Zeitengabelung und müssen uns entscheiden, welchen Weg wir weitergehen wollen. Ein Weg führt in die Zukunft, der andere in die Vergangenheit. Beide Wege führen letztlich zum Ziel, das Leben ist nicht linear. Wir sind nicht linear, nur unser Denken ist es. Viele von uns haben den Glauben und die Hoffnung auf eine gute Zukunft aufgegeben. Sie glauben, dass das Leben ganz wenige Gewinner und ganz viele Verlierer produziert und das es keinen Sinn hat zu kämpfen, weil der Kampf längst verloren sei.

Wir expandieren, wir sind eine expandierende Spezies. Wir kämpfen um unser Überleben, wir kämpfen um Anerkennung, wir kämpfen um Liebe, wir kämpfen darum gesehen, gehört und geliebt zu werden, wir kämpfen gegen die Armut, wir kämpfen gegen Krankheit, Schmerz, Leid und Tod. Wir kämpfen gegeneinander. Wir alle Glauben für die gute Sache und auf der richtigen Seite zu kämpfen. Nun denn, wir haben alle Zeit der Welt, denn auch Zeit ist ein Konstrukt des Menschen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Fortsetzung folgt…

Jack Kabey

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