Singularity (2)

Singularity (2)

Während die Gefahren des Klimawandels, der Coronapandemie und des Ukrainekonfliktes täglich beschworen, hochgeschaukelt und übertrieben werden, wird die Gefahr der KI-Apokalypse belächelt, heruntergespielt und unter den Teppich gekehrt. Allen Warnungen zum Trotz findet in diesem Bereich ein gefährliches Wettrüsten gegen die Zeit und unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Höchste Zeit hinzusehen.


Die Medien hauen uns täglich die Gefahren des Klimawandels um die Ohren. Wir hätten noch 12 Jahre, um das Schlimmste zu vermeiden, warnte die UNO im Jahr 2018, während sie die Gefahren der Singularität herunterspielt. Immerhin warnt sie in einem Bericht davor, dass künstliche Intelligenz das Potenzial hat, “ein noch nie da gewesenes Ausmaß an Überwachung auf der ganzen Welt durch staatliche und private Akteure” zu ermöglichen. Was schon schlimm genug ist, denn alle Entwicklungen laufen genau in diese Richtung.

Die Warnung des verstorbenen Physikers Stephen Hawking geht um einiges weiter: Wenn wir nicht lernen würden, uns auf die potenziellen Risiken vorzubereiten und sie zu vermeiden, könnte die KI das schlimmste Ereignis in der Geschichte unserer Zivilisation sein.

Auch Stuart Armstrong von der Universität Oxford bezeichnete künstliche Intelligenz als ein “Aussterberisiko” für die Menschheit. Selbst ein Atomkrieg sei in Bezug auf die Zerstörung auf einem anderen Niveau, da er “nur einen relativ kleinen Teil des Planeten töten würde”. Das Gleiche gilt für Pandemien, “selbst, wenn sie besonders virulent sind”.

Schliesslich dürfen die Aussagen von Elon Musk hier nicht unerwähnt bleiben, der vor einer Terminator-ähnlichen KI-Apokalypse warnte und jetzt den Tesla-Roboter Optimus baut, welcher schon 2023 auf den Markt kommen soll. Der Typ kifft definitiv zu viel.

Wie genau würde eine KI an einen solch gefährlichen Punkt gelangen? Der Kognitionswissenschaftler und Autor Gary Marcus lieferte 2013 in einem aufschlussreichen Essay im New Yorker einige Details. Je intelligenter die Maschinen werden, so schrieb er, desto mehr könnten sich ihre Ziele ändern. Sobald Computer in der Lage sind, sich selbst umzuprogrammieren und sich sukzessive zu verbessern, was zu dem führt, was er als “technologische Singularität” oder “Intelligenzexplosion” bezeichnete, können die Risiken von Maschinen, die Menschen im Kampf um Ressourcen und Selbsterhaltung überlisten, nicht einfach abgetan werden. “Überlisten” – was für ein niedliches Wort.

Der überflüssige Mensch

Gleichzeitig muss die künstliche Intelligenz keine Singularität oder Superintelligenz erreichen, um für uns gefährlich zu werden. Laut einer Studie der Brookings Institution aus dem Jahr 2019 arbeiten 36 Millionen Menschen in hochautomatisierten Berufen, was bedeutet, dass mindestens 70 % ihrer Arbeitsplätze – vom Einzelhandel über Marktanalysen bis hin zu Empfangs- und Lagerarbeiten – in naher Zukunft durch KI ersetzt werden.

Die Brookings Institution Artificial Intelligence and Emerging Technology (AIET) Initiative zielt darauf ab, eine gute Regierungsführung für transformative neue Technologien zu fördern. Da die Fähigkeiten und Auswirkungen dieser neuen Technologien noch weitgehend unbekannt sind, ist es von entscheidender Bedeutung, dass die nächste Generation von Politiken und Normen von Idealen der wirtschaftlichen und nationalen Sicherheit, Transparenz, Fairness und Inklusion geprägt ist.

Auch wenn die Vernichtung von Arbeitsplätzen derzeit das drängendste Problem im Zusammenhang mit der KI ist, so ist sie doch nur eine von vielen potenziellen Gefahren. In einem Papier vom Februar 2018 mit dem Titel “The Malicious Use of Artificial Intelligence: Forecasting, Prevention, and Mitigation” (Vorhersage, Vorbeugung und Schadensbegrenzung) haben 26 Forscher aus 14 Institutionen eine Vielzahl anderer Risiken aufgelistet, die in weniger als fünf Jahren ernsthaften Schaden – oder zumindest ein wenig Chaos – anrichten könnten.

Globale Überwachung

Weitere Gefahren sind Chinas orwellschen Einsatz von Gesichts- erkennungstechnologie in Büros, Schulen und anderen Einrichtungen. Aber das ist nur ein Land. Das Geschäft brummt und viele Unternehmen haben sich auf ähnliche Technologien spezialisiert und verkaufen sie weltweit.

Deep Fake

KI wird auch zu hyperrealistisch wirkenden Persönlichkeiten in den sozialen Medien führen, die nur schwer von echten Persönlichkeiten zu unterscheiden sind. Das Gleiche gilt für Audio- und Video-Deepfakes, die durch die Manipulation von Stimmen und Abbildern entstehen. Letzteres schlägt bereits hohe Wellen.

Autonome Waffensysteme

In ihrem offenen Brief über die KI schrieben das Berkeley Ingenieurwesen im Jahr 2015: “Die Schlüsselfrage für die Menschheit ist heute, ob wir ein globales KI-Wettrüsten beginnen oder es verhindern sollen. Wenn eine der großen Militärmächte die Entwicklung von KI-Waffen vorantreibt, ist ein globales Wettrüsten praktisch unvermeidlich, und der Endpunkt dieser technologischen Entwicklung liegt auf der Hand: Autonome Waffen werden die Kalaschnikows von morgen sein. Im Gegensatz zu Atomwaffen benötigen sie keine teuren oder schwer zu beschaffenden Rohstoffe, sodass sie allgegenwärtig und billig für alle bedeutenden Militärmächte in Massenproduktion hergestellt werden können. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sie auf dem Schwarzmarkt auftauchen und in die Hände von Terroristen, Diktatoren, die ihre Bevölkerung besser kontrollieren wollen, Kriegsherren, die ethnische Säuberungen durchführen wollen, usw. gelangen. Autonome Waffen sind ideal für Aufgaben wie Attentate, die Destabilisierung von Nationen, die Unterwerfung von Bevölkerungen und die gezielte Tötung einer bestimmten ethnischen Gruppe. Wir glauben daher, dass ein militärisches KI-Wettrüsten für die Menschheit nicht von Vorteil wäre. Es gibt viele Möglichkeiten, wie KI die Schlachtfelder für die Menschen, insbesondere für die Zivilbevölkerung, sicherer machen kann, ohne neue Werkzeuge zum Töten von Menschen zu schaffen.”

Inzwischen sind sechs Jahre vergangen und die Gefahr eines dritten Weltkrieges ist in greifbare Nähe gerückt. Tödliche autonome Waffensysteme, auch Slaughterbots oder Killerroboter genannt, sind Waffensysteme, nutzen künstliche Intelligenz, um Ziele ohne menschliches Eingreifen zu identifizieren, auszuwählen und zu töten. Während bei unbemannten Militärdrohnen die Entscheidung, Leben zu nehmen, von einem menschlichen Bediener aus der Ferne getroffen wird, wird bei autonomen Waffen die Entscheidung, wer lebt und wer stirbt, ausschließlich von Algorithmen getroffen. Die Forschungen in diesem Bereich laufen auf Hochtouren und ein Wettrüsten der neuen Art ist längst in vollem Gange.

Algorithmischer Handel

Oder haben Sie jemals daran gedacht, dass Algorithmen unser gesamtes Finanzsystem zum Einsturz bringen könnten? Das stimmt, Wall Street. Der algorithmische Handel könnte für unsere nächste große Finanzkrise an den Märkten verantwortlich sein.

Beim algorithmischen Handel führt ein Programm unbelastet von Instinkten oder Emotionen, die das menschliche Urteilsvermögen beeinträchtigen könnten, Geschäfte auf der Grundlage vorprogrammierter Anweisungen aus. Diese Programme können Geschäfte mit extrem hohem Volumen, hoher Frequenz und hohem Wert abschließen, was zu großen Verlusten und extremer Marktvolatilität führen kann. Der algorithmische Hochfrequenzhandel (HFT) erweist sich als ein enormer Risikofaktor auf unseren Märkten.

KI-Strategie der europäischen Kommission

So richtig warm ums Herz wirds einem, wenn man sich die KI-Strategie der Europäischen Kommission zu Gemüte führt. Das europäische Konzept für künstliche Intelligenz (KI) werde dazu beitragen, ein widerstandsfähiges Europa für das digitale Jahrzehnt zu schaffen, in dem Menschen und Unternehmen die Vorteile der KI nutzen können. Es konzentriert sich dabei auf zwei Bereiche: Spitzenleistungen in der KI und vertrauenswürdige KI. Der europäische Ansatz für KI wird sicherstellen, dass alle KI- Verbesserungen auf Regeln beruhen, die das Funktionieren der Märkte und des öffentlichen Sektors sowie die Sicherheit und die Grundrechte der Menschen schützen.

Klingt wunderbar nicht? Also ist alles in bester Ordnung? Nicht wirklich. Denn erstens sagen Wissenschaftler der renommierten Max-Planck- Gesellschaft in Europa, dass die Menschheit mit unserer heutigen Technologie keine Chance hat, eine superintelligente künstliche Intelligenz zu kontrollieren, und zweitens entspricht eine künstliche Superintelligenz dem Heiligen Gral und verspricht seinen Schöpfern grenzenlose Macht, Erlösung von allen Leiden und ewiges Leben. Wer auch immer eine solche KI in die Finger bekommt, wird zum Herrscher über die Welt. Keine der führenden Weltmächte will dieses Feld einem anderen überlassen. Der Wettlauf gegen die Zeit hat längst begonnen.

Masterplan Künstliche Intelligenz 2030

Die chinesische Regierung will mit dem Masterplan künstliche Intelligenz 2030 in naher Zukunft die Spitze der KI-Forschung übernehmen und hat fünf Unternehmen bestimmt und mit einer großzügigen Finanzierung ausgestattet, die jeweils in Teilbereichen der künstlichen Intelligenz bis 2030 weltführend sein sollen.

Open AI

OpenAI startete 2015 als Non-Profit-Organisation mit der Vision, dass KI dem Wohl der Menschheit dienen muss. Das langfristige Forschungsziel ist die Entwicklung einer generellen Künstlichen Intelligenz, dem sich OpenAI über viele kleine KI-Einzelprojekte nähern will. Zu den Sponsoren gehören unter anderem Microsoft, Amazon und auch KI-Warner Elon Musk. 2019 gab es dann eine Kehrtwende vom reinen Non-Profit-Ansatz: OpenAI gründete das neue Unternehmen OpenAI LP, das Gewinne erwirtschaften und Gelder an Investoren ausschütten soll. Nur so könne man die teure KI-Forschung bezahlen, heißt es seitens OpenAI.

Alphabet Googles

Mutterkonzern lebt von den KI-gestützten Softwareangeboten der Tochterunternehmen: KI hilft Google bei relevanten Suchergebnissen, Spracherkennung, dynamischen Werbeanzeigen, Spam-Filtern, Empfehl- ungsalgorithmen für YouTube, Bilderkennung mit Google Lens oder dem digitalen Helfer Google Assistant. Waymo nutzt KI für autonome Autos. Jigsaw, X und Wing nutzen KI etwa für Robotik- und Drohnentechnologie. Kurz: Künstliche Intelligenz steht im Mittelpunkt des Konzerns. CEO Sundar Pichai bezeichnete KI sogar als wichtiger als Feuer oder Elektrizität.

IBM

Das Urgestein unter den Tech-Firmen hat eine lange Geschichte der KI- Entwicklung: Seit 1950 forschen IBM-Wissenschaftler an künstlicher Intelligenz. 1997 schrieb IBM weltweit Schlagzeilen durch den Sieg des Schachcomputers Deep Blue gegen den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow. 2012 gewann IBMs Watson-KI die Quiz-Sendung Jeopardy und Anfang 2019 führte die KI Debater ausführliche Debatten mit menschlichen Gegnern. In einer Studie der Weltorganisation für geistiges Eigentum lag IBM mit etwas mehr als 8.000 neu angemeldeten KI-Patenten auf Platz eins.

Microsoft

2019 investierte Microsoft eine Milliarde US-Dollar in OpenAI. Eine Investition, die zeigt: KI ist auch für Microsoft ein wichtiger Baustein der Computerzukunft. Gemeinsam konstruieren die beiden Unternehmen unter anderem einen Azure-basierten Supercomputer für KI-Forschung. Abseits digitaler Assistenten hat sich Microsoft als KI-Riese etabliert: Über die 2010 gegründete Cloud-Computing-Plattform Azure bietet Microsoft-KI- Werkzeuge etwa für Sprach- und Bilderkennung, Robotik oder das Gesundheitswesen an. Auch bei der Gesichtserkennung ist Microsoft aktiv und versorgt das US-Militär mit KI-Technologie.

Tencent

Der Tech-Riese Tencent ist eines der weltweit größten Social-Media- Unternehmen, das größte Videospielunternehmen der Welt und eine der international größten Risikokapital- und Investment-Firmen. Zu Tencents Services gehören soziale Netzwerke, E-Commerce, mobile Games und Online-Spiele, Bezahlsysteme, Cloud-Speicher und verschiedene Unterhaltungsangebote wie Musik oder Filme. 2016 eröffnete Tencent eine KI-Forschungsabteilung in Shenzhen, China und 2017 eine weitere Abteilung in Bellevue, USA bei Seattle.

Alibaba Group

Der Tech-Riese Alibaba gilt als das chinesische Amazon und ist im E- Commerce, Retail- und Technologie-Sektor tätig. Das Unternehmen ist eines der zehn wertvollsten Unternehmen der Welt und betreibt seit 2009 Chinas größte Cloud-Computing-Plattform Alibaba Cloud.

Amazon

Das E-Commerce-Unternehmen Amazon nutzt Empfehlungsalgorithmen, um Kunden passende Produkte im Online-Shop anzubieten. In den kassenlosen Amazon-Go-Märkten erkennt KI mit Hilfe zahlreicher Sensoren, welches Produkt ein Kunde aus dem Regal nimmt und bucht es direkt ab. Amazon bietet außerdem mit Alexa einen weit verbreiteten KI-Assistenten in den Echo-Lautsprechern an. Im B2B-Markt setzt Amazon seit 2006 auf die eigene Cloud-Computing-Plattform Amazon Web Services (AWS), die etwa von Siemens, Netflix und der NASA genutzt wird. Für AWS entwickelte Amazon auch den KI-Chip Inferentia.

Baidu

Der chinesische Technologiekonzern Baidu betreibt die zweitgrößte Suchmaschine der Welt und gehört zu den größten KI- und Internet- Unternehmen überhaupt. Wie Google nutzt Baidu KI für bessere Suchergebnisse und forscht seit 2013 in einer im Silicon Valley ansässigen KI-Abteilung an Spracherkennung, KI-Übersetzung, KI-Assistenten, dem autonomen Fahren und KI-Anwendungen für das Gesundheitswesen. 2018 trat Baidu als erstes chinesisches Unternehmen der US-basierten KI-Ethik- Allianz Partnership on AI bei.

Facebook

2013 entschied Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, dass Facebook bessere KI-Systeme benötigt, um bestehende Inhalte zu verwalten, vorhandene Daten besser zu nutzen und langfristig neue Produkte zu entwickeln. Facebook wollte das Londoner KI-Labor Deepmind kaufen, musste sich aber Google geschlagen geben. Der Social-Konzern gründete daher die eigene KI- Abteilung Facebook AI Research (FAIR) mit dem renommierten Turing- Preisträger Yann LeCun an der Spitze. Facebook benutzt KI außerhalb des sozialen Netzes zum Beispiel für leistungsfähige Trackingsysteme für VR- und AR-Geräte oder für die Verkörperung von KI in Robotern in der echten Welt.

Human Brain Project

Das Human Brain Project (HBP) ist ein Forschungsprojekt der Europäischen Kommission, welches das gesamte Wissen über das menschliche Gehirn zusammenfassen und mittels computerbasierter Modelle und Simulationen nachbilden soll. Als Ergebnis werden neue Erkenntnisse über das menschliche Hirn und seine Erkrankungen sowie neue Computer- und Robotertechnologien erwartet. Vorarbeiten lieferte das Blue-Brain-Projekt. Im Januar 2018 stellte die École polytechnique fédérale de Lausanne ihre Datenplattform „Blue Brain Nexus“ als Open-Source-Software vor. Blue Brain Nexus dient der Integration aller Daten des Schweizer Blue-Brain-Projektes.

Brain Activity Map Project

Das Brain Activity Map Project oder BRAIN Initiative (Brain Research through Advancing Innovative Neurotechnologies) ist ein US-amerikanisches neurowissenschaftliches Grossforschungsprojekt zur Kartierung des Gehirns des Menschen. Ziel ist die Erfassung der Aktivität seiner sämtlichen 86 Milliarden Nervenzellen.

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Jack Kabey

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