Dehydration 03

Im dritten Teil geht es um die psychologischen Auswirkungen und Folgeerkrankungen, wenn wir zu wenig Wasser trinken. Neue Forschungen zeigen, dass Dehydrierung eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Stress, Schlafstörungen, Burnout, Depressionen und Angstzuständen spielt.


Frauen dehydrieren schneller als Männer

In Deutschland erfüllt mehr als jeder vierte Erwachsene die Kriterien für eine psychische Erkrankung. Zu den häufigsten Krankheitsbildern gehören Angststörungen, Depressionen und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum. Für die über 20 Millionen Betroffenen und ihre Angehörigen sind psychische Erkrankungen mit großem Leid verbunden und führen oft zu starken Einschränkungen im sozialen und beruflichen Leben.

Selbst eine leichte Dehydrierung beeinträchtigt bereits die Stimmung, die Energie und die Denkfähigkeit eines Menschen. Zu diesem Ergebnis kommen zwei neue Studien eines Wissenschaftlerteams der Universität von Connecticut, das die Leistungsfähigkeit von Menschen untersucht.

Die Tests zeigten, dass es keine Rolle spielte, ob jemand gerade 40 Minuten lang auf einem Laufband gelaufen war oder ruhig gesessen hatte – die negativen Auswirkungen einer leichten Dehydrierung waren dieselben. Eine leichte Dehydrierung ist definiert als ein Verlust von etwa 1,5 Prozent des normalen Wasservolumens des Körpers. Dies entspricht 7 dl bei 80 kg und 4,5 dl bei 50 kg – weshalb Frauen schneller dehydrieren als Männer.

Die Testergebnisse bestätigen, wie wichtig es ist, immer ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, nicht nur beim Sport, bei großer Hitze oder bei schwerer körperlicher Arbeit, sagt Lawrence E. Armstrong, einer der leitenden Forscher der Studie und Professor für Physiologie an der Neag School of Education.

Krank durch Stress

Betroffene erkennen oft nicht den Zusammenhang zwischen ihrem körperlichen und seelischen Befinden und ihrer ständigen Stressbelastung. Sie führen Magen-Darm-Beschwerden darauf zurück, dass sie etwas Schlechtes gegessen haben, und sie erklären ihre leichte Reizbarkeit mit dem vermeintlichen Fehlverhalten ihrer Mitmenschen. Ein Überdenken setzt erst ein, wenn der Stresspegel zu starken Abstrichen führt, man eine Erkältung nach der anderen hat oder die Lustlosigkeit einen nicht mehr aus dem Bett aufstehen lässt.

Die wichtigsten Stresshormone, die bei Belastungssituationen ausgeschüttet werden, sind die Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin. Eine weitere wichtige Gruppe von Hormonen, die bei Stressreaktionen eine große Rolle spielen, sind die Glukokortikoide. Hier ist besonders das Cortisol aus der Nebennierenrinde zu nennen. Ihre Ausschüttung wird wiederum über Steuerungshormone CRH und ACTH geregelt. Andere Hormone, die vermehrt in Stresssituationen ausgeschüttet werden, sind das Antidiuretische Hormon (ADH), Prolactin und β-Endorphin.

Studien haben gezeigt, dass bereits ein halber Liter Wasserverlust den Cortisolspiegel erhöhen kann. Stress kann Dehydrierung verursachen, und Dehydrierung kann Stress verursachen. Es ist ein Teufelskreis. Dieser Teufelskreis kann durch mehr Wassertrinken durchbrochen werden. Stress kann zu vielen der gleichen Reaktionen führen wie Dehydrierung – erhöhte Herzfrequenz, Übelkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen – eine gute Flüssigkeits- zufuhr kann das Ausmaß der physiologischen Reaktionen auf Stress verringern.

Wenn Betroffene jedoch nicht frühzeitig Gegenmaßnahmen zum Stress- abbau ergreifen, kann dies zu schweren Erkrankungen führen. Zu den stressbedingten Krankheiten gehören:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

    Die erhöhte Konzentration an Stresshormonen beschleunigt den Herzschlag und lässt den Blutdruck steigen. Ist die Konzentration von Stresshormonen im Körper häufig und längere Zeit erhöht, kann dies zum Beispiel zu Bluthochdruck führen. Das erhöht das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden.
  • Diabetes

    Dem Körper steht bei Stress viel Energie in Form von Zucker zur Verfügung. Er kann dadurch schnell reagieren. Das körpereigene Hormon Insulin sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt und der Blutzuckerspiegel sinkt. Das Stresshormon Cortisol beeinträchtigt jedoch die Wirkung von Insulin – der Zuckertransport in den Körper ist gehemmt. Die Bauchspeicheldrüse reagiert auf die verringerte Wirkung des Insulins mit einer vermehrten Insulin-Ausschüttung. Dadurch steigt das Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken.
  • Erhöhte Leberwerte

    Auch die Leber reagiert sensibel auf Stress. Ist das Stresshormon Cortisol dauerhaft erhöht, wird mehr Fett in die Leber eingelagert – langfristig kann Stress somit die Entwicklung einer Fettleber fördern. Grund dafür sind gestörte Stoffwechselprozesse und eine Drosselung des Fettabbaus. Erhöhte Leberwerte durch Stress können also auf diese Entwicklung hindeuten.
  • Hautausschläge

    Die Haut wird häufig auch als »Spiegel der Seele« bezeichnet – denn sie wird maßgeblich durch die Psyche beeinflusst. Es ist noch nicht eindeutig geklärt, ob Hautkrankheiten psychische Ursachen haben können. Jedoch kann ein Hautausschlag durch Stress ausgelöst und noch zusätzlich verstärkt werden. Genauer gesagt verstärkt er die Entzündungen im Körper und somit auch entzündliche Haut- erkrankungen wie Psoriasis und Neurodermitis.
  • Magen-Darm-Erkrankungen

    Magen und Darm reagieren empfindlich auf Dauerstress. Durch das erhöhte Cortisol kann es mit der Zeit zu Sodbrennen, Durchfall, Verstopfung, Entzündungen und sogar Magengeschwüren kommen.
  • Burnout oder Depression

    Anhaltender Stress kann zu chronischer Erschöpfung, dem sogenannten Burn-out-Syndrom, führen. Die Erkrankung steht oft am Ende einer Spirale aus jahrelanger Überforderung und Stress. Mögliche Alarmsignale sind ständige Müdigkeit, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Ängste und sozialer Rückzug. Chronischer Stress ist ein Risikofaktor für die Entwicklung von verschiedenen psychischen Erkrankungen, wie depressive Episoden, Angst- oder Essstörungen. Dabei treten Depressionen und Angststörungen besonders häufig auf. Die Anzeichen dafür unterscheiden sich nicht wesentlich von den typischen Stresssymptomen: Niedergeschlagenheit, innere Unruhe, Erschöpfung und Schlafstörungen zählen dazu. Stress kann somit das Einfallstor für Depressionen sein.
Depression und Angststörungen

Wenn ein Wasserverlust so starke Auswirkungen auf unseren Körper haben kann, liegt die Vermutung nahe, dass auch unsere Psyche beeinflusst wird. Studien zufolge besteht ein Zusammenhang zwischen Depressionen und Dehydrierung, da Dehydrierung das Gehirn in einer Weise beeinflusst, die eng mit Depressionen verwandt ist:

  • Dehydrierung untergräbt die Energie des Gehirns

    Dehydrierung behindert die Energieproduktion im Gehirn. Viele Funktionen des Gehirns werden durch Flüssigkeitsmangel behindert und ineffizient. Die daraus resultierenden Stimmungsstörungen, ähneln denen in einer Depression: Angst, Unsicherheit sowie emotionale Probleme.
  • Dehydratation behindert die Serotoninproduktion Ihres Gehirns

    Depressionen hängen häufig mit unterdurchschnittlichen Serotonin- Spiegeln zusammen, einem kritischen Neurotransmitter, der die Stimmung stark beeinflusst. Serotonin wird aus der Aminosäure Tryptophan hergestellt. Dazu wird jedoch ausreichend Wasser benötigt. Einige Studien haben gezeigt, dass eine starke Verringerung der L-Tryptophan-Konzentration im Plasma zu einem Anstieg der Aggression führt. Diese Effekte sind vermutlich auf eine beeinträchtigte oder verstärkte Serotoninsynthese und Neuro- transmission im Gehirn zurückzuführen.
  • Was hat Serotonin mit Ängsten zu tun?

    Die Bedeutung von Serotonin für die Entstehung von Angst wird insbesondere durch die Wirksamkeit von Medikamenten untermauert, die den Serotoninabbau hemmen und so den Serotoninspiegel im Gehirn erhöhen (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer/SSRI); das Gleiche gilt für Noradrenalin. GABA ist ein angsthemmender Neurotransmitter im Gehirn. Dehydrierung kann auch andere Aminosäuren negativ beeinflussen, was zu Gefühlen von Nieder- geschlagenheit, Unzulänglichkeit, Angst und Reizbarkeit führt.

    Forschungsergebnisse zeigen, dass Wasser wichtig für die Erhaltung der geistigen Gesundheit ist. Dehydrierung kann das Risiko von Angstzuständen und Depressionen erhöhen, neben anderen ungesunden psychischen Zuständen.
  • Dehydration erhöht den Stress in Ihrem Körper

    Stress ist einer der wichtigsten Faktoren, die zu Depressionen beitragen, zusammen mit einem Gefühl von Ohnmacht und Unfähigkeit, mit Stressoren fertig zu werden.

Depressionen und Angststörungen reduzieren die Produktivität von Erwerbstätigen. Laut der WHO verursacht dies weltweit Kosten von rund 1000 Milliarden Dollar pro Jahr. Wurden 2010 noch 1,174 Milliarden Tagesdosen Antidepressiva verordnet, so waren es 2019 bereits 1,609 Milliarden – das entspricht einem Plus von 435 Millionen Dosen.

Der Zusammenhang zwischen Flüssigkeitszufuhr und Stress ist gut dokumentiert. Grundsätzlich gilt: Wenn Sie dehydriert sind, ist Ihr Körper gestresst, und wenn Sie gestresst sind, setzt Ihr Gehirn Stresshormone frei, die eine Kettenreaktion der Stressreaktion in Ihrem Körper auslösen.

Forschungen der Universität Cincinnati, die im Journal of Neuroscience veröffentlicht wurden, kamen zu dem Schluss, dass der Wasserhaushalt des Menschen bestimmt, wie gut der Körper (und der Verstand, und damit auch die Emotionen und das Verhalten) mit Stress umgehen kann. Eine im World Journal of Psychiatry veröffentlichte Studie ergab, dass das Trinken von klarem Wasser zu einem Rückgang von Depressionen und Angstzuständen führt, beides stressbedingte Erkrankungen.

Medikamente gegen Depression wirken laut einer Studie des Nordic Cochrane Centre in Kopenhagen kaum besser als Placebos. Dennoch kassiert die Pharmaindustrie dafür allein in der Schweiz fast 200 Millionen Franken pro Jahr.

Burnout

Das Burnout-Syndrom ist in der Schweiz weit verbreitet und die Fälle haben in letzter Zeit kontinuierlich zugenommen. Daraus resultiert ein großer wirtschaftlicher Schaden für die Gesellschaft und die Unternehmen. Gleichzeitig übernehmen die Krankenversicherer derzeit nur einen Teil der Behandlungskosten, was zunehmend zu politischen Debatten führt.

Vor allem schlägt der Burnout im Osten zu: 72 % der Russen, 66 % der Serben und 62 % der Polen hatten schon einmal einen Burnout oder kennen die Symptome aus eigener Erfahrung. Belgier, Briten, Spanier und Italiener sind mit etwa 50 % ähnlich häufig betroffen wie die Deutschen, am seltensten leiden Franzosen unter Burnout.

Psychische Probleme wie Burnout oder Depressionen sind unter deutschen Ärzten weit verbreitet: 24 Prozent der Ärzte geben in der Umfrage an, dass sie unter Depressionen und depressiven Verstimmungen leiden. 9 Prozent bezeichnen ihre Symptome als eine Kombination aus Burnout und Depression. Es ist schwer vorstellbar, welche Auswirkungen dies auf die Behandlung von Patienten hat, und das sollte uns wirklich zu denken geben.

Der Job Stress Index ist repräsentativ für die Schweizer Erwerbstätigen. Im Frühjahr 2018 wurden 2’946 erwerbstätige Personen im Alter zwischen 16 und 65 Jahren befragt.

  • Stress: Rund jede vierte erwerbstätige Person (27.1 %; 2016: 25.4 %, 2015: 22.5 %) hat Stress, das heißt mehr Belastungen als Ressourcen am Arbeitsplatz.
  • Erschöpfung: Der Anteil emotional erschöpfter Personen tendiert gegen 30 %.
  • Produktivitätsverluste: Stress kostet die Arbeitgebenden rund CHF 6.5 Mrd. pro Jahr.
  • Alter: Jüngere Erwerbstätige weisen häufiger ein ungünstiges Verhältnis zwischen Belastungen und Ressourcen auf.
Dehydrierung und Elektrolyt-Ungleichgewicht

Laut Dr. James Wilson ist Dehydrierung die häufigste Ursache für ein Elektrolyt-Ungleichgewicht, sodass eine angemessene Flüssigkeitszufuhr ein Ungleichgewicht oft verhindern kann.

Das Problem ist, dass bei einer Nebennierenermüdung und dem damit verbundenen Hormonungleichgewicht die Flüssigkeitszufuhr eine Herausforderung darstellen kann. Der Grund dafür, dass viele Menschen mit Nebennierenermüdung oft dehydriert sind, ist in der Regel auf das Hormon Aldosteron zurückzuführen. Wenn eine Person chronischem Stress ausgesetzt war und Symptome einer Nebennierenermüdung aufweist, kann sowohl die Cortisol- als auch die Aldosteronproduktion erschöpft sein.

Wenn der Aldosteronspiegel sinkt, ist der Körper nicht mehr in der Lage, den Mineral- und Flüssigkeitshaushalt richtig zu regulieren, was wiederum zu einem Natriummangel führt, der wiederum einen Wasserverlust zur Folge hat. Aufgrund dieser Kaskade von Ereignissen kommt es zu Symptomen der Dehydrierung und eines Elektrolyt-Ungleichgewichts.

Bei einem Elektrolyt-Ungleichgewicht muss die Rehydrierung vorsichtig angegangen werden. Das Trinken von viel Wasser oder Flüssigkeit ohne ausreichenden Natriumersatz kann dazu führen, dass sich die Betroffenen schlechter fühlen, weil dadurch die Natriummenge im Blut weiter verdünnt wird. Außerdem benötigen die Zellen Salz, um Flüssigkeit zu absorbieren. Wenn Patienten bereits einen Flüssigkeits- und Elektrolytmangel haben, sollten sie ihrem Wasser Salz beizumischen (1/4 Teelöffel auf 2 Liter). Meersalz ist eine bessere Wahl als normales Kochsalz, da es neben Natrium auch Spuren von Mineralien enthält.

Dehydration und Schlaf

In einer Studie mit fast 20 000 Erwachsenen in den Vereinigten Staaten und China wurde festgestellt, dass Menschen, die nur sechs Stunden pro Nacht schliefen, deutlich häufiger dehydriert waren als Menschen, die acht Stunden schliefen. Während des Schlafs gibt es keine Flüssigkeitsaufnahme, um den unmerklichen Wasserverlust auszugleichen, weshalb man annimmt, dass die innere Uhr des Körpers, der zirkadiane Rhythmus, in Gang gesetzt wird, um einen ausgeglichenen Wasserhaushalt zu gewährleisten. In der letzten Phase des Schlafs veranlassen zirkadiane Signale den Körper, ein Hormon namens Vasopressin zu produzieren, welches die Wasserretention fördert.

Eine weitere Studie hat gezeigt, dass die Dehydrierung die Schlafdauer verkürzt und Schlafqualität vermindert. Obwohl diese Studie in ihrem Umfang begrenzt war, wird klar, dass die Beziehung zwischen Schlaf und Hydration eine wechselseitige ist.

Einige andere durch Dehydrierung verursachte Schlafprobleme sind, verstärktes Schnarchen aufgrund trockener Nebenhöhlen, nächtliche Beinkrämpfe und Probleme bei der Regulierung der Körpertemperatur.

Menschen trinken viel weniger Wasser als Affen

Ein internationales Team aus Forschenden hat 2021 zum ersten Mal Unterschiede im Wasserhaushalt zwischen Menschen und Menschenaffen genauer unter die Lupe genommen. Dabei ermittelten die Anthropologen und Evolutionsbiologen, wie viel Flüssigkeit wir im Vergleich zu anderen Menschenaffen jeden Tag umsetzen, wie viel wir also aufnehmen und ausscheiden. Die Resultate der Studie waren eindeutig: Wir Menschen trinken ganze dreißig bis fünfzig Prozent weniger Wasser am Tag.

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Jack Kabey

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